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So lohnt sich Energiemanagement!

15. September 2016

Energiemanagement-Systeme können mehr als Kosten reduzieren. »Sie gewährleisten in komplexen Lieferketten die Versorgungssicherheit und über sie lassen sich die Kosten pro Produktionseinheit zuordnen«, sagt Dr. Thomas Goette, CEO von GreenPocket. »Die Ziele sind Prozessanalyse und Asset-Management.«

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Dr. Thomas Goette, GreenPocket: »Große Unternehmen setzen Energiemanagement-Systeme vor allem für die Sicherung der Versorgung und für die Kostenzuordnung ein. Insgesamt sehe ich die Prozessanalyse als das eigentliche Zukunftsfeld an.«

smarterworld.de: Energiemanagement-Systeme sparen Geld, in vielen Fällen sogar erhebliche Beträge – dennoch hält sich die Nachfrage in Grenzen. Woran liegt es?

Dr. Thomas Goette: Hier muss man unterscheiden: Große Unternehmen setzen solche Systeme überwiegend schon ein. Die kleinen und mittelgroßen Unternehmen werden jetzt aber auch zunehmend auf das Thema aufmerksam. Hürden sehe ich darin, dass zunächst einmal in vielen Fällen teure Messtechnik angeschafft werden muss. Zweitens gibt es insbesondere im industriellen Bereich Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit. Viele scheuen sich davor, Daten in die Cloud zu geben, weil sie sie dort für angreifbar halten. Die Vorbehalte gegenüber dem Einsatz cloud-basierter Software-Lösungen gehen sukzessive zurück, aber heute ist dies vielfach ein Hindernis. Der Trend geht jedoch in Richtung Cloud, auch in der Industrie.

Und zudem ist der Anbietermarkt sehr unübersichtlich, es gibt viele Firmen, die Energiemanagement-Systeme für unterschiedliche Märkte anpreisen. Da fällt es den potenziellen Anwendern schwer, eine Entscheidung zu treffen?

Ja, der Markt ist im Moment stark fragmentiert. Auf den ersten Blick sieht es auch so aus, als ob für verschiedene Anwendungsfälle und Branchen jeweils speziell zugeschnittene Energiemanagement-Systeme erforderlich wären. Aber bei näherer Analyse kamen wir zu dem gegenteiligen Ergebnis: Die Software muss so flexibel sein, dass sie sich auf unterschiedliche Kennzahlen, Datenanalysen und Berichtsformen anpassen lässt. Flexibilität, intuitive Nutzung und kontinuierliche Weiterentwicklung sind die Schlüsselfaktoren erfolgreicher Energiemanagement-Software. Wir erwarten, dass sich der fragmentierte Markt lichten wird, weil innovative Anbieter von Energiemanagement-Systemen schnell wachsen und die weniger innovativen verdrängen werden.

Der Trend geht also zu Energiemanagement-Systemen, die sich auf viele unterschiedliche Anwendungsfälle anpassen lassen?

Davon gehe ich aus. Zudem ist es erforderlich, alle Energieverbräuche zu messen, Strom und Gas alleine reichen nicht. Es müssen auch weitere Werte wie Wärme, Kälte, Druckluft und Feuchtigkeit mit einbezogen werden. Die Anwender möchten die Auswirkungen dieser Faktoren auf den Verbrauch erkennen können. Es wird von Kundenseite zunehmend gewünscht, Soll-Verbrauchs- und Zustandsprofile für alle möglichen Objekte erstellen zu können, von Maschinen und Anlagen bis hin zu Gebäuden. Am Ende geht dies in Richtung Asset-Management, sprich das kontinuierliche Monitoring der Produktionsanlagen im Hinblick auf Verbrauch und Zustand. Die Software muss flexibel genug sein, die vielen Daten analysieren zu können und Warnsignale zu geben, wenn Abweichungen auftreten. Außerdem müssen die Alarmsignale vom Anwender schnell und zuverlässig bewertet werden können, um aussagekräftige Zustandsbeschreibungen zu erhalten und nicht eine Vielzahl von irrelevanten Alarmen zu erhalten, die den Nutzer in die Irre führen.

Versorgungssicherheit, Kostentransparenz, Prozessanalyse

Das geht also weit über das reine Energiemanagement hinaus?

Das eigentliche Energiemanagement ist tatsächlich nur ein Aspekt. Sehr wichtig ist vielen Anwendern die Versorgungssicherheit. Dafür ist wiederum entscheidend, dass die Qualität der Energieversorgung stimmt. Um sie sicherzustellen, müssen detaillierte Messungen zu Einzelfaktoren der Stromqualität (z.B. Oberschwingungen) durchgeführt werden, was wiederum ein Energiemanagement-System sehr gut leisten kann. Insbesondere Produzenten aus Hochleistungsindustrien wie zum Beispiel Automobilhersteller und ihre Zulieferer, für die die Versorgungssicherheit im Vordergrund steht, interessieren sich für derartige Dienstleistungen.

Gibt es weitere interessante Aufgaben, die ein Energiemanagement-System nebenbei miterledigen kann?

Ja, ein weiteres wichtiges Thema ist die Auftragskalkulation. Es geht häufig darum, die Kosten pro Produktionseinheit für ein bestimmtes Produkt zu ermitteln. Für einen Auftragsfertiger im Kunststoffbereich beispielsweise kommt es darauf an, die Kosten der Produkte den jeweiligen Auftraggebern zuordnen zu können. Eine Energiemanagement-Software ermöglicht hier eine auftragsscharfe Produktkalkulation und vereinfacht dadurch das Nach-Controlling von durchgeführten Kundenaufträgen, um perspektivisch das Preis- und Angebotsmanagement zu verbessern.

Stehen wir also vor der paradoxen Situation, dass der treibende Faktor für den Einsatz von Energiemanagement-Systemen gar nicht in erster Linie das direkte Energiemanagement ist?

Vor allem für große Unternehmen stehen meiner Beobachtung nach Versorgungssicherheit und Kostenzuordnung an erster Stelle. Insgesamt sehe ich die Prozessanalyse für viele Anwender von Energiemanagement-Systemen als das eigentliche Zukunftsfeld an.

Was ist unter Prozessanalyse genau zu verstehen?

Maschinelle Anlagen werden heutzutage mit der zugehörigen Software geliefert, die es erlaubt, alle Parameter auf den jeweiligen Anwendungsfall so einzustellen, dass die Maschine sehr energieeffizient arbeitet. Doch nur einzelne Maschinen zu optimieren, greift nach unseren Erfahrungen zu kurz. Die Anwender müssen verstehen, wie sie zusammen arbeiten. Für die Prozessanalyse ist eine übergeordnete Software erforderlich und Energiemanagement-Systeme können genau diese Aufgabe übernehmen. Das erkennen jetzt auch viele potenzielle Anwender. Da Produktionsprozesse sich im Detail anhand des Verbrauchs von Energie nachvollziehen lassen, können mit Hilfe von Energiemanagement-Software aussagekräftige Schlussfolgerungen für Optimierungsmaßnahmen im Produktionsprozess abgeleitet werden. Das sehen wir als wichtigen Zukunftsmarkt an.

Und der eigentliche Zweck der Energiemanagement-Systeme, Ressourcen zu sparen und Energiekosten zu senken, interessiert gar nicht mehr in erster Linie?

Aktuell sind für Unternehmen, die keine energieintensiven Produktionsverfahren aufweisen, die Energiekosten noch nicht so hoch, dass sie wirklich drücken. Für mittelgroße Unternehmen (sogenannte Nicht-KMU) mit mehr als 250 Mitarbeitern oder mit einem Jahresumsatz über 50 Mio. EUR ist derzeit die treibende Kraft die gesetzliche Anforderung, ein Energie-Audit nach DIN 16247 durchzuführen. Wer sich dann mit Energiemanagement intensiver beschäftigt, merkt jedoch bald, dass es weiteren Nutzen gibt. Das ist der Grund, warum wir insgesamt beobachten, dass sich die Industrie dem Thema jetzt mehr und mehr öffnet.

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